Aktivstall

Die Pferdehaltung wird seit einigen Jahren von einer neuen Idee bereichert. Der Ansatz dieser Idee leitet sich stark von der Natur ab und von den Bedürfnissen, denen Pferde in der Natur aus eigenem Antrieb nachgehen. Dieser Ansatz wird im Allgemeinen als „Aktivstall“ bezeichnet. Die klassische Boxenhaltung oder Offenstallhaltung kann diesem Ansatz zwar in vielen Belangen nahe kommen, aber in der Gesamtheit nicht gerecht werden. Das Aktivstallprinzip versucht einerseits den Pferden in ganzjähriger Offenstallhaltung die Gelegenheit zu geben soziale Kontakte im Herdenverband auszuleben, andererseits wird versucht den ureigenen Trieb der Pferde als Steppentiere Nahrung in weitläufigen Gebieten zu suchen und zu finden gerecht zu werden.

In Deutschland sind frei zugängige Weidegebiete entsprechender Größendimensionen nicht oder nur sehr selten verfügbar, deshalb hat man den Ansatz gewählt, die Pferde durch verschiedene Stationen in der Weidehaltung zu motivieren sich eigenständig zu bewegen. Dies wird erzielt durch den Einsatz von Technik in Kombination mit entsprechenden Weiden. Die Futterversorgung mit Rauhfutter und Kraftfutter wird automatisiert, über 24 Stunden verteilt in entsprechend kleinen Portionierungen nach den entsprechenden Einzelbedürfnissen eins Pferdes. Die Aufnahme von Rauh- und Kraftfutter, die Aufnahme von Wasser, der Ruhe- / Liege- und Rückzugsbereich werden entsprechend räumlich getrennt. Auf diese Weise kann man ganzjährige Wegestrecken von 10 – 20 km pro Tag und Pferd erreichen.

Die Wandelmühle hat hierzu die Stationen “Sandplatz“, “Offenstall“, “Wasser“, “Heu-Fressstand” und “Kraftfutterstation” zur Verfügung.

Auf dem Sandplatz stehen die Tiere ganzjährig trocken und nutzen diesen auch intensiv als Wälzplatz. Im Offenstall ist der Ruhebereich der Tier eingerichtet, der Zugang ist durch Stallfolien gegen Insekten und Zugluft geschützt.

Der Offenstall Bereich ist mit Stroh eingestreut und wird täglich abgemistet und in Intervallen von ca. 6 Wochen komplett gemistet.

Wasser erhalten die Tiere direkt aus dem neben der Koppel gelegenen Wandelbach. Die Wasserqualität wird ständig anhand des Fischbestandes am Haus kontrolliert.

Der automatisch selektierenderHeu-Fressstand bietet auch rangniederen Pferden ausreichend Gelegenheit jederzeit an Rauhfutter zu kommen. Selbst wenn ranghöhere Pferde ein rangniederes Tier vertreiben sollten findet sich an anderer Stelle ein Fressplatz.

Die Kraftfutterstation kann man auch als Motor des Aktivstalls bezeichnen. Hier ist der größte Anreiz die anderen Stationen zu verlassen und sich in festgelegten Intervallen von 45 Minuten seine individuell zugeteilte Ration Kraftfutter abzuholen.

Neben den verschiedenen Möglichkeiten der Unterbringung hat es sich auch als sinnvoll erwiesen die natürliche Abnutzung des Pferdehufes durch den Einsatz verschiedener Untergrundmaterialien (Grasboden, Sandboden, Kiesboden, Betonboden). Dieser Ansatz ist auch Bestandteil einer Aktivstallhaltung und führt zu der Thematik Hufpflege.

Vorbild der natürlichen Hufbearbeitung – Natural Hoofcare – sind die gesunden Barhufe der Mustangs. Diese Pferde leben überwiegend in unwirtlichen Gegenden mit z. T. extrem steinigen Böden. Aufgrund des kargen Futterangebotes sind sie gezwungen täglich große Distanzen zurückzulegen um ihren Nahrungsbedarf zu befriedigen. Bei großer Trockenheit wurden Tageskilometerleistungen von bis zu 120 km beobachtet [1].

Dieser Ansatz orientiert sich ebenfalls stark an der Natur und den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Regelmäßige professionelle Überwachung durch einen entsprechenden qualifizierten und geprüften Hufpfleger sind Bestandteil dieses Ansatzes.

Insbesondere die Haltung der Pferde ohne Hufbeschlag hat einerseits zu starken kommerziellen Einsparungen geführt (Hufschmied, Tierarzt), andererseits zu gesund ausgebildeten Hufen bei den Pferden selbst geführt. Im Bedarfsfall muss der Huf des Pferdes beim Ausritt durch entsprechende Hufschuhe geschützt werden.


[1] Quelle: www.naturhufe.com Stichwort „Barhufpflege

 

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